Wir alle kennen sie: die schönen Bilder auf Instagram, Flickr und Co. Doch wenn man selber am Ort des Begehrens steht und seine Kamera auspackt, wollen die Fotos einfach nicht so schön wie im Netz werden. Reisefotografie ist gar nicht so einfach, wie man glauben möchte. Es braucht schon ein gewisses fotografisches Know-how, die richtige Vorbereitung und das passende Equipment. Da wir es selber lieben zu fotografieren, möchten wir gerne unsere Erfahrungen mit euch teilen. Viel Spaß beim Hello Planet Fotoguide für Reisefotografie.

Teil 1: Vorbereitung ist die halbe Miete

Bei uns beginnt die Planung für unser „perfektes Reisefoto“ schon zu Hause. Wir durchstöbern die gängigen Fotoportale wie Instagram, Flickr, 500px oder Stockseiten wie Shutterstock. Gefällt uns dort ein Bild besonders gut, versuchen wir herauszufinden, wo es genau aufgenommen wurde. Normalerweise findet man den Ort beziehungsweise die Sehenswürdigkeit in der Beschreibung. Im Idealfall sind bereits Geotags (also eine Info, wo das Bild aufgenommen wurde) hinterlegt. Ist das nicht der Fall, muss Google Maps herhalten. Weiß man dann, wo das Fotoobjekt der Begierde zu finden ist, versuchen wir noch mithilfe der Satellitenansicht zu erahnen, von wo das Foto aufgenommen wurde. Das bekommt man mit der Zeit ziemlich schnell ins Gefühl. Schließlich ist die Perspektive extrem wichtig. Zu guter Letzt berücksichtigen wir den Ort dann natürlich in unserer Reiseplanung (wir können hier die App Sygic Travel empfehlen) und rechnen genügend Zeit ein. Natürlich muss man hier mitbedenken, zu welcher Tageszeit man das Foto machen will. Möchte man rötliches Licht bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang? Dramatische Schatten am späten Nachmittag? Das berühmte Alpenglühen einfangen? Die blaue Stunde ausnützen? Das sind alles Fragen, die man sich schon bei der Planung stellen muss.

Hvitserkur in Island
Hvitserkur – einfach viel schöner nach Sonnenuntergang

Know-how

Wie bereits erwähnt, ist natürlich ein gewisses fotografisches Grundverständnis notwendig. Auch wenn selbst ein blindes Huhn einmal ein Korn findet, bei einem teuren Urlaub möchte man nicht auf sein Glück vertrauen. Das Thema ist aber zu komplex, um es an dieser Stelle anzureißen, wir können euch aber zwei Bücher ans Herz legen: „Der fotografische Blick: Komposition und Design“ von Michael Freeman und „Landschaftsfotografie Tutorial: Trainingsbuch zum Fotografieren lernen“ von Stephan Wiesner.

Teil 2: Das richtige Equipment für Reisefotografie

Man sagt immer, dass am Ende des Tages die Person hinter der Kamera und nicht das teure Equipment ein Foto macht. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn ohne die richtige Ausrüstung, allem voran das passende Objektiv, sind bestimmte Fotos einfach nicht möglich. Aber was ist das richtige Equipment?

Das richtige Equipment für Reisefotografie

Die Kamera

Auch wenn sie schwerer und etwas unhandlicher sind, empfehlen wir immer noch eine Kamera mit Wechselobjektiv. Wir persönlich sind Canon- und Sonyfans und fotografieren mit einer Canon 5D Mark IV und Sony A7 III. Aber es gibt auch von anderen Herstellern wie Nikon oder Olympus tolle Bodys, die sich super für Landschafts- und Reisefotografie eignen. Im Prinzip ist die Herstellerwahl Geschmackssache, die Bildqualität unterscheidet sich innerhalb einer Preisklasse unserer Meinung nach kaum.

Das Objektiv

Möchte man beeindruckende Landschaftsfotos schießen, kommt man nicht an einem vernünftigen Weitwinkelobjektiv vorbei. Wir lieben unser Canon EF 16-35mm f/2,8L III USM bzw. das Sony SEL-1635GM G Master heiß und innig. Aber auch das Canon EF 24-105mm f/4L IS II USM ist ein toller Begleiter für Motive, bei denen ein leichter Zoom und etwas mehr Flexibilität gewünscht wird. Natürlich gibt es vergleichbare Optiken auch von anderen Marken. Recht viel mehr möchten wir euch von Objektivseite für den Anfang eigentlich gar nicht empfehlen. Erstens wird der Kamerarucksack sonst immer schwerer, zweitens ist das Zeug recht teuer und drittens sind wir auf all unseren Reisen mit diesem Setup immer gut ausgekommen.

Unterwegs am Krater des Hverfjall
Hverfjall – mit einem guten Weitwinkel bekommt man einfach mehr drauf

Zubehör

Neben Kamera und Objektiv gibt es noch das ein oder andere Helferlein, das euch bei der Reisefotografie hilft. Auf jeden Fall empfehlen wir euch, ein kompaktes Stativ mitzuhaben. Damit werden nicht nur die Fotos schön scharf, sondern ihr könnt damit auch Langzeitbelichtungen machen, die fließendem Wasser diesen „rauchigen“ Effekt verleihen. Dafür benötigt ihr außerdem einen Graufilter, der auch am Tag längere Belichtungszeiten ermöglicht. Ein Polarisationsfilter schadet ebenfalls nie, und wenn ihr vorhabt, auch bei Regen zu fotografieren, ist eine Schutzhülle für die Kamera eine feine Sache. Ihr seht hier schon, ein fotografisches Grundknow-how ist kein Fehler und man sollte den Zusammenhang zwischen ISO, Blende und Belichtungszeit verstehen, um sein Wunschfoto in die Realität umsetzen zu können.

Der schwarze Strand auf Island
Reynisfjara – Langzeitbelichtungen sorgen für einen ganz eigenen Effekt

Manchmal darf es auch die Kompakte sein

Um ehrlich zu sein: Manchmal ist selbst uns das Equipment zu schwer und zum Beispiel bei Hochtouren im Gebirge, wo jedes Gramm Gewicht zählt, will und kann man keinen Kamerarucksack mitschleppen. Für solche Fälle können wir euch die Sony CyberShot DMC-RX100 III (oder ein neueres Modell der Reihe) uneingeschränkt empfehlen. Das kleine Wunderding schießt RAW Fotos in wirklich feiner Qualität. Und die Panoramafunktion ist ein den Umständen entsprechender akzeptabler Weitwinkelersatz – auch wenn man manchmal ein paar Fehler im Bild hat.

Reisefotografie mit der kleinen Kamera
Manchmal darf es auch die kleine Kamera sein

Teil 3: Perspektive und Einstellungen

Steht man gut vorbereitet und mit dem richtigen Equipment ausgerüstet dann endlich zum Beispiel beim herrlichen Kirkjufellfoss in Island, muss man „nur“ noch die richtige Perspektive und Kameraeinstellung finden. Wir haben dazu immer Screenshots der recherchierten Fotos am Handy, um vor Ort zu überprüfen, ob der vorab ausgecheckte Platz tatsächlich der richtige ist. Wenn nicht, kann man sich mit dem Screenshot etwas orientieren. Natürlich will man Fotos nicht 1:1 nachfotografieren, gewisse Spots sind aber nicht umsonst immer wieder auf Instagram und Co zu finden. Sie bieten einfach den besten Winkel.

Kirkjufell - das typische Katalogfoto aus Island
Kirkjufellfoss – das Reisekatalogfoto aus Island

Es lohnt sich aber definitiv auch die Gegend zu erforschen, um Motive zu finden, die noch nicht so oft fotografiert wurden. Will man ein Foto machen, dass noch niemand gemacht hat, muss man an Orte, an denen noch niemand war. Eine kleine Wanderung querfeldein kann da oft sehr lohnend sein.

Wanderung mit Blick auf den Kirkjufell
Kirkjufell von einer selteneren Perskektive – mindestens genauso schön

Hat man dann sein Plätzchen gefunden und das Stativ aufgebaut, gilt es nur mehr die richtige Einstellung zu finden. Wir empfehlen bei Reise- und Landschaftsfotografie eher mit geschlossenen Blenden (große Blendenzahl) zu arbeiten, damit möglichst viel scharf ist (hohe Tiefenschärfe). Es sei denn, man möchte eine gewisse Hintergrundunschärfe (geringe Tiefenschärfe) als künstlerisches Element ins Foto einbauen, dann natürlich mit einer offenen Blende. Ist das perfekte Bild dann im Kasten, folgt der letzte Schliff – die Nachbearbeitung. Stichwort Nachbearbeitung: Unbedingt immer und ausschließlich im RAW-Format fotografieren. Das gibt euch bei der Nachbearbeitung viel mehr Spielraum.

Teil 4: Der Feinschliff am PC

Die Nachbearbeitung ist für uns ein wichtiger Teil, um das Beste aus unseren Fotos herauszuholen. Weil jedem etwas anderes gefällt, empfehlen wir euch, einfach die Augen offen zu halten, um herauszufinden, wie ihr die Fotos bearbeiten wollt. Am besten zieht ihr den Bildstil durch eure Fotoreportage durch. Überlegt euch also am besten schon vorher, ob ihr zum Beispiel kontrastreich und farbenfroh, im analogen Stil oder viel Schwarz-Weiß bearbeiten wollt. Als Bearbeitungsprogramm können wir euch Lightroom empfehlen. Passende Presets könnt ihr sogar online kaufen und die Einstellungen dann eurem Geschmack anpassen.

Das war’s auch schon wieder mit unserem kurzen Guide für Reisefotografie. Wir hoffen, euch mit dem ein oder anderen Tipp etwas geholfen zu haben und wünschen euch viele tolle Fotos auf eurer nächsten Reise!