Kilimanjaro FAQs – Antworten auf häufig gestellt Fragen

Sonnenaufgang am Kraterrand des Kilimanjaro
Tag 6: Solch ein Anblick lässt alle Strapazen gleich wieder vergessen

Wer eine Reise tut, hat was zu erzählen. Und weil mir aufgefallen ist, dass zu meiner Besteigung des Kilimanjaros immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden, dachte ich mir, ich könnte diese FAQs (frequently asked questions) doch in einen Artikel verpacken und mit euch teilen. Vielleicht sind sie ja für den ein oder anderen von euch auch interessant.

Kurze Info vorab: Ich habe mich für die Machame Route entschieden, meine Antworten beziehen sich also auf diese Strecke. Auf anderen Routen kann es durchaus anders aussehen.

1Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Ich bin mit Sicherheit nicht der erfahrenste Bergsteiger, habe aber in den letzten Jahren die ein oder andere ausgedehntere Bergtour gemacht (z. B. Großglockner, Ortler, Großvenediger, Watzmannüberschreitung). Ich wusste somit, dass bis zu zehn Gehstunden und 1.500 Höhenmeter am Tag kein Problem für mich sind. Trotzdem habe ich, ab dem Entschluss, den Kilimanjaro zu machen (rund neun Monate vor dem Trip), mit Cardiotraining begonnen. Im Schnitt bin ich neben meinen normalen Berg- und Skitouren mindestens zwei Mal pro Woche eine Stunde Laufen gegangen oder im Fitnesscenter am Ergometer gesessen bzw. Crosstrainer gestanden (mit möglichst hohem Widerstand). Ob und wie richtig das ist, kann ich nicht sagen, am Kili selbst hatte ich aber definitiv keine konditionellen Probleme oder Muskelkater.

2Hast du die Höhe vertragen?

Auf 5.895 Metern sinkt der Sauerstoffgehalt um rund 50 %. Und das merkt man auch. Alles ist deutlich anstrengender, ab und zu hat man Kopfschmerzen, das Herz schlägt schneller und die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt. All diese Symptome habe ich auch zu spüren bekommen, wobei sich die Kopfschmerzen zum Glück in Grenzen hielten (auf einer gedachten Schmerzskala geschätzt 4 von 10). Dennoch hatte ich so gut wie immer Probleme beim Einschlafen und bin mehrmals die Nacht aufgewacht – kurz gesagt: Meine Nächte waren ziemlich kurz und unruhig. Sonst ist es mir verhältnismäßig gut gegangen. Ungemütlichere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Verwirrtheit sind ausgeblieben. Lediglich am Gipfeltag fühlte ich mich über weite Strecken etwas ferngesteuert und hatte manchmal das Gefühl, mir selbst beim Gehen zuzusehen. Da haben aber die Anstrengung (14 Stunden auf den Beinen) und Übermüdung (in der „Nacht“ davor nur eine Stunde Schlaf) sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen.

3Wie sind die Klos am Kilimanjaro?

In den Camps sind die Toiletten mehr (gemauert) oder weniger (Holzhüttchen) befestigte Häuschen. Das Klo selbst ist im Normalfall ein klassisches Plumpsklo, wie man es etwa aus dem Türkeiurlaub kennt. Also „nur“ ein Loch im Boden ohne befestigte Kloschüssel oder Ähnliches. Klopapier gibt es keines, wir hatten unser eigenes mit. Sauberkeit darf man sich hier übrigens keine erwarten – eher das Gegenteil (außer man bucht eine Luxusvariante, bei der einem ein eigenes Campingklo den Berg hochgetragen wird). Während des Trekkings erledigt man sein Geschäft einfach in der Natur. Klein wurde bei uns als „sending an E-Mail“ und groß als „sending a Fax“ bezeichnet ? Ob das gängige Bezeichnungen sind oder die unserer Mountain Guides kann ich nicht sagen.

4Wie sieht der Gipfeltag aus?

Der Gipfeltag ist der härteste einer Kilimanjarobesteigung. Nach einer kurzen und unruhigen „Nacht“ starteten wir um 22:30 mit einem kleinen Frühstück und einer Tasse Tee in den Tag. Gegen 23:15 hieß es dann unter einem beeindruckenden Sternenhimmel Aufbruch Richtung Gipfel. Schritt für Schritt stiegen wir im Schein unserer Stirnlampen langsam („pole pole“) einen schmalen aber relativ steilen Weg empor, bis wir gegen 05:30 den Stellar Point und damit den Kraterrand erreichten. In meiner Erinnerung der kälteste Punkt des Gipfeltags. Der eisige Wind ließ die -10 °C noch kälter wirken, unsere Rucksäcke und Trinksysteme waren längst eingefroren. Die gute Nachricht: Steht man jedoch einmal am Stellar Point, hat man es so gut wie geschafft. Das letzte Stück ist nur mehr ein gemütlicher Aufschwung, den wir kurz nach 06:00 ebenfalls gemeistert hatten, um dann tatsächlich den Sonnenaufgang am Gipfel genießen zu können. Ein unglaubliches Gefühl, das mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen belohnt wurde.

Aber „what goes up must come down“ sangen schon Blood, Sweat & Tears in den 60ern. Nach 15 Minuten haben wir schon wieder mit dem Abstieg begonnen und um 10:40 waren wir wieder im Barafu Camp. Nach einem kleinen Frühstück und einer einstündigen Pause ging es dann vier weitere Stunden und 1.600 Höhenmeter ins Mweka Camp – unserem finalen Ziel des Tages. Unterm Strich waren wir ca. 14 Stunden unterwegs, sind 1.220 Meter auf- und 2.800 abgestiegen.

5 Wie ist die Verpflegung am Berg?

Die Verpflegung war für die Verhältnisse purer Luxus. Wir haben drei Mal am Tag warmes Essen bekommen. In der Früh gab es Porridge, Ei, Würstchen, Toastbrot, Marmelade, Erdnussbutter und Schinken, manchmal sogar Bohnen. Zu Mittag und am Abend wurden uns drei Gänge serviert. Eine Suppe als Vor-, irgendeine Speise mit Fleisch als Haupt- und ein einfacher Kuchen oder ähnliches beziehungsweise Früchte als Nachspeise. Zu Trinken gab es Schwarztee oder Kaffee. Hungrig oder durstig sind wir also nie los oder ins Bett gegangen. Um sein leibliches Wohl braucht man sich am Kilimanjaro also keine Sorgen machen.

6Wie groß ist so eine Reisegruppe und zu wievielt ist man im Zelt?

Wir waren sieben Personen (zwei Amerikaner, zwei Deutsche, ein Ire und wir zwei) und soweit ich das beurteilen kann, habe ich keine Reisegruppe über zehn Personen gesehen. Im Zelt haben wir jeweils zu zweit geschlafen und Platz genug gehabt, schließlich hatten wir ein 6-Mann-Zelt.

7Was muss man selbst tragen und machen?

Kurz: so gut wie gar nichts. Eigentlich muss man nur seinen Tagesrucksack tragen und den Weg von Camp zu Camp beziehungsweise auf den Gipfel gehen. Der komplette Rest wird von der (bei uns 31-köpfigen) Crew erledigt. Vom Auf- und Abbau über das Tragen deines restlichen Gepäcks bis hin zum Kochen und servieren. Was diese Menschen – und vor allem in welchem Tempo – am Berg leisten, ist ein Wahnsinn, der meinen höchsten Respekt hat. Man verlässt das noch aufgebaute Lager und wenn man im nächsten Camp ankommt, ist schon wieder alles aufgebaut.

8Wie viel Trinkgeld muss man geben?

Tansania hat eine ausgereifte Trinkgeldkultur. Viele Menschen leben von dem Trinkgeld und dessen sollte man sich auch bewusst sein. In unserem speziellen Fall haben wir pro Person für den gesamten Trip und die komplette Crew 250,- Dollar Trinkgeld gegeben. Achtung: Hier hat jede Agentur andere Angaben und Richtwerte. Aber irgendwas in dieser Größenordnung sollte kalkuliert und in bar mitgenommen werden.

9Ist der Kilimanjaro eigentlich gefährlich?

Diese Frage lässt sich kurz und knapp mit einem „Nein“ beantworten. Der Kilimanjaro ist ein technisch einfacher Trekkingberg, der abgesehen von der Höhe für einen routinierten Wanderer keine alpinen Risiken mit sich bringt.

10Auf welche Temperaturen muss man sich einstellen?

Wir haben den Kilimanjaro im August, also dem afrikanischen Winter bestiegen. Die Höchsttemperatur am Fuß des Berges lag so bei ca. 20 °C die Temperatur am Gipfel, kurz vor Sonnenaufgang, bei ca. -10 °C. In der Nacht kratzen die Temperaturen in den Camps am Gefrierpunkt, im Zelt hat es in der Nacht um die 5 – 8 °C. Es empfiehlt sich also das klassische Schichtenoutfit.

11Wie wäscht man sich am Kilimanjaro?

Die schlechte Nachricht vorab: Nein, am Kili gibt es keine Duschen. Dafür bekommt man morgens und abends einen Behälter mit warmem Wasser. Wer Afrikas höchsten Berg erklimmen will, muss sich auf eine Woche Katzenwäsche einstellen. Zusätzliche Feuchttücher, um sich zwischendurch einmal an intimeren Stellen sauber zu machen, sind aus eigener Erfahrung auch kein Schaden ?.