„Unser bisher größtes Abenteuer“ beschreiben Franziska und Felix ihre Reise durch die Mongolei. Sie haben das am dünnsten besiedelte Land der Welt zu Fuß und völlig auf sich allein gestellt bereist. Stolze 400 Kilometer und 5 Wochen!

Unsere Reiseroute in der Mongolei

Ulan-Bator – Chowd (Khovd) – Tolbo – Sagsay – Ölgii – Ulaangom – Bergsee Khukh Nuur

Wir haben unsere Reise im Spätsommer begonnen und sind ungefähr 400 Kilometer durch den Westen der Mongolei gelaufen. Das hat etwa fünf Wochen gedauert. Von Woche zu Woche haben wir gemerkt, wie der Sommer langsam vom Herbst abgelöst wurde. Es wurde immer kühler, immer rauer. Vor allem nachts. Noch dazu liegt die Mongolei durchschnittlich sehr hoch über dem Meeresspiegel. Wir waren meistens auf ungefähr 2000 Metern Höhe unterwegs.

Ein Inlandsflug hat uns von der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator ins westliche Chowd gebracht. Dort haben wir uns einen Fahrer gesucht, der uns am Startpunkt unserer geplanten Wanderroute aussetzen sollte. Mit ihm sind wir ungefähr 200 Kilometer in acht Stunden durch Flüsse und über Straßen gefahren, die eigentlich keine sind. Westlich vom kleinen Örtchen Tolbo hat er uns dann an einem Fluss ausgesetzt. Und wir sind losgelaufen. Am Fluss entlang nach Sagsay, wo wir merkten, dass uns Bergflanken den Weg versperren. Von dort aus über den Kamm in die nächste Provinzhauptstadt, nach Ölgii. Mit dem Auto nach Ulaangom für unseren letzten Marsch zu unserem großen Ziel: dem kleinen zum Bergsee Khuukh Nuur. Obwohl das für den ein oder anderen recht plausibel und einfach klingt, haben wir Wochen gebraucht, um diese Route festzulegen. Über die Mongolei gibt es wahnsinnig wenige Infos – schließlich mussten wir uns bei der Planung auf 100 Jahre alte, russische Militärkarten und unscharfe Satellitenbilder von Google Earth verlassen.

Auf den Fotos seht ihr ein paar unserer größten Erlebnisse: Reifenpannen gehören in der Mongolei zur Tagesordnung – und nicht nur einmal! Kurz nachdem wir ausgesetzt wurden, haben wir die erste Jurte passiert, und sind aufgeregt empfangen worden. Die Kinder wollten nicht nur unbedingt unsere Rucksäcke anprobieren, sondern haben auch darauf bestanden, unser Zelt für uns aufzubauen. Und weil die Nomaden nur mongolisch oder kasachisch gesprochen haben, konnten wir kaum ein Wort wechseln. Also haben wir es mit Händen und Füßen, unseren russischen Karten und Bildern versucht.

Unsere Highlights in der Mongolei

Ich würde sagen, das größte Highlight war das Gefühl, das uns diese Reise gegeben hat: Wie es ist, mitten im Nirgendwo ausgesetzt zu sein. Ganz allein in der Wildnis. Und nicht zu wissen, wann man das nächste Mal auf Menschen treffen wird. Das kann in einem Tag sein, oder in zehn. So fühlt sich die größte Freiheit an, aber auch echte Einsamkeit. Eine Mischung, die uns auf eine ziemliche Gefühlsachterbahn befördert hat. Das war aber auch genau das, was wir suchten. Zu unseren Highlights zählen sonst wunderschöne und magische Begegnungen mit Nomaden, riesige Falken, die oft über unseren Köpfen gekreist sind. Und natürlich der Moment, in dem wir das Ziel dieser Wanderung erreicht haben – den kleinen Bergsee Khukh Nuur. Wenn man wochenlang mit jedem Schritt darauf zuläuft und das Ufer dann plötzlich erreicht, ist das eine totale Gefühlsexplosion. Pures Glück. Und das Gefühl: „Wahnsinn, wir haben’s wirklich geschafft!“

Es sind jeden Tag so viele Dinge passiert, die uns überrascht, verwundert, überfordert, begeistert, erschrocken oder völlig vom Hocker gehauen haben. Da gab es zum Beispiel unsere allererste Begegnung mit einer mongolischen Nomadenfamilie – ohne mit ihnen sprechen zu können, haben wir einen ganzen Nachmittag, einen Abend und eine Nacht bei ihnen verbracht. Den Moment, als wir über eine frisch geschlachtete Ziege steigen mussten, um ins Wohnzimmer zu kommen. Oder als unser Fahrer beschlossen hat, dass es ihm zu blöd ist, immer wieder rein und raus aus einem Fluss zu fahren, um ans Ziel zu kommen – und stattdessen einfach das Flussbett als Straße benutzt hat. In meinem Buch „Ins Nirgendwo, bitte!“ erzähle ich viel über diesen alltäglichen Wahnsinn.

Was wir euch noch mitgeben möchten

So eine Wanderung durch die Mongolei ist bestimmt keine Reise, die ich allen weiterempfehlen würde. Auf jeden Fall aber Menschen, die pure Einsamkeit in der Wildnis suchen. Die ihre Grenzen erfahren wollen. Bei sich selbst sein wollen. Und bereit sind, dafür einige Schritte aus der Komfortzone zu treten.

Bereite dich so gut vor, wie du kannst! Auch auf unangenehme Themen, Ernstfälle und Situationen, die man sich eigentlich nicht gerne vorstellen will. Und: Sei flexibel, klammer dich später nicht an deine Pläne. Es wird einiges passieren, worauf du dich vorher nicht einstellen konntest.

Und: Einen Weggefährten an der Seite zu haben, auf den man sich immer und zu einhundert Prozent verlassen kann, ist das allergrößte Geschenk – eines der wichtigsten Erkenntnisse, die wir in der Mongolei gelernt haben.

Alle Fotos: © Franziska Bär (schaut doch auf Franziskas und Felix‘ Reiseblog „Ins Nirgendwo bitte„, auf Instagram oder Facebook vorbei und lasst ein Like dort. Franziskas Buch zu ihrem Trip findest du hier.)

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